Teil 1 - Das Lernmanagementsystem oder vergleichbare Lösungen

Hybride Aufgabenformate  - digitales Lernen - Distanzunterricht - Home schooling - E-Learning usw.

Die Bandbreite der Begriffe ist beachtlich und die Liste wird ständig länger und länger. In gleichem Maße werden die Befürchtungen von allen am Prozess Beteiligten größer, dass es zu erneuten Schulschließungen kommen kann und die Konzepte für das Neue Lernen noch nicht entwickelt und/oder in den Lehrerkollegien noch nicht bei allen angekommen sind.

Hinzu kommen vielfältige Herausforderungen an die Schulträger, die gerade vielfach nicht wissen, wie sie die zahlreichen Anfragen und Aufgaben mit Bordmitteln lösen können.

Was also kann man tun? Wo beginnen?

Bedeuten Präsenz- und Distanzunterricht im Grunde die gleiche Konstruktion von Unterrichtseinheiten, Lernarrangements, Lernsituationen etc., nur mit dem Unterschied, dass das eine mit der Lehrkraft im gleichen Raum stattfindet, während das andere im Videochat durchgeführt wird, oder ist es nicht viel mehr eine andere Konzeption und Umsetzung des Lernens?

Es ist dies eine Aufgabe, die die einzelne Lehrkraft nicht lösen kann und auch nicht sollte. Hier sind Teams gefragt, die gemeinsam überlegen, wie künftig hybride Lernarrangements aufgebaut werden. Das hat darüber hinaus den Vorteil, dass man voneinander lernen kann, denn die digitalen Kompetenzen sind auch unter Lehrkräften sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Worum geht es in erster Linie, wenn man an gelingende Anfänge denkt?

Wir können aus unserer langjährigen Erfahrung aus der Arbeit mit zahlreichen Schulen folgende Tipps und/oder erste wichtige Schritte nennen:

1. Sie müssen sich in der Schule/ im Kollegium für ein Lernmangementsystem entscheiden? Hinter der Abkürzung LMS verbirgt sich ein multifunktionales Tool, das in immer mehr Schulen Anwendung findet. Dabei stehen die drei Buchstaben für „Learning Management System“. 

Diese – häufig auch als Lernplattformsysteme bezeichneten – Anwendungen sind aus dem E-Learning entstanden und werden seit Jahren für verschiedene Zwecke eingesetzt. So findet man sie sowohl im schulischen Kontext als auch an Weiterbildungsstätten oder in Form von Online-Angeboten. Viele Lehramtsstudent/-innen kommen meist an ihren Hochschulen zum ersten Mal mit einem LMS in Berührung.

Lernmanagementsysteme sind webbasiert im Gegensatz zu Softwarelösungen und Apps, die jeweils auf dem verwendeten Endgerät installiert werden müssen. Für ihre Nutzung wird lediglich ein Endgerät mit Internetanschluss und einem Webbrowser benötigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich hierbei um einen PC, einen Laptop, ein Smartphone oder ein Tablet / IPad handelt.

Die Nutzer loggen sich auf der Eintrittsseite des LMS ein und gelangen auf ihr individuelles Dashboard (ihre Übersicht). Dadurch dass eine LMS orts- und hardwareunabhängig ist, ist die Nutzung sehr flexibel. Da viele Schüler über ein internetfähiges Endgerät verfügen, lassen sie sich auch an Schulen mit schlechter technischer Infrastruktur einsetzen. 

Funktionen eines LMS

Moderne Lernmanagementsysteme verfügen über eine Vielzahl an Funktionen, die für den Unterricht genutzt werden können. Sie ermöglichen es, das Lernen systematisch zu organisieren und auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden und Lehrenden abzustimmen. Dahinter steht eine komplexe Architektur, die unterschiedliche Medienformate unterstützt. Zu den bereitgestellten Funktionen zählen unter anderem folgende:

  • Bereitstellung von Unterrichtsmaterial als Download
  • Kalender zur Übersicht über kommende Unterrichtseinheiten und Prüfungen
  • Möglichkeit den Lernfortschritt der Schüler individuell zu begleiten
  • Anlegen eines Wikis, in dem die wichtigsten Begriffe / Sachverhalte erläutert werden können
  • Unterschiedliche Kommunikationsmöglichkeiten, wie etwa ein Forum, E-Mail-Funktion oder ein Chat
  • Erstellung von ganzen Online-Kursen
  • Erstellen regelmäßiger Aufgaben, wie etwa Hausaufgaben, die auch abwesende Schüler erledigen können.
  • Erstellen, Durchführen und Auswerten von Tests
  • usw.

Im schulischen Alltag können sie dafür genutzt werden, Aufgabenformate zu erstellen, Lösungshilfen anzubieten, Arbeitsergebnisse einzusammeln, zu bewerten, Rückmeldungen zu geben und den Lernprozess durch begleitende Hilfestellungen und Kommentare zu unterstützen. Meist wird bei der Integration eines LMS in den Unterricht ein „Blended Learning“-Ansatz verfolgt. Das bedeutet, dass sich reine Distanzunterrichtsphasen mit Präsenz-Phasen abwechseln, die sich inhaltlich eng miteinander verzahnen lassen.

Wir sprechen mittlerweile von hybriden Lernarrangements.

Inzwischen gibt es eine relativ große Zahl an Lernmanagementsystemen auf dem Markt. Darunter fallen kostenpflichtige Systeme wie IServ und Io-net² und kostenfreie Lösungen wie etwa Moodle. Hilfe bei der Auswahl des passenden Systems können die jeweiligen Kultusministerien geben. Darüber hinaus gibt es inzwischen auch eine Vielzahl an Erfahrungsberichten von Schulen und Lehrenden, die Einblick in die Anwendung eines LMS geben. 

Folgende LMS werden derzeit von den Schulen häufig genutzt: 

  • Office 365 - Von Video-Chats über Klassen- und Kursnotizbücher bietet Microsoft 365 alles, was ein solches System benötigt. Schulen erhalten einen kostenfreien Account. Die Nutzung muss mit dem Schulträger und staatlichen Verantwortlichen geklärt werden.
  • IServ - ein ähnlich funktionierendes Lernmanagement-System - bietet ebenfalls alle notwendigen Möglichkeiten - es ist schon einige Jahre auf dem Markt und verursacht allerdings  Kosten.
  • LOGINEO - Über LOGINEO NRW LMS können zum Beispiel Aufgaben zum Selbstlernen erstellt und um entsprechende Lernmaterialien wie Texte, Bilder, Videos und Links ergänzt werden. Die Schülerinnen und Schüler können sich individuell und vertiefend damit auseinandersetzen und erhalten von ihren Lehrerinnen und Lehrern Feedback. Zugleich sind die Lehrkräfte über das Lernmanagementsystem bei Fragen für ihre Schülerinnen und Schüler erreichbar. Bisher gibt es noch kein Video-Tool und von daher wird der Distanzunterricht auf diese Funktion vorerst verzichten müssen. Der Vorteil von LOGINEO besteht darin, dass das Verwaltungsnetz eine Schnittstelle zum Pädagogischen Netz hat und sozusagen die Einrichtung aller Klassen relativ problemlos vorgenommen werden kann. Logineo baut auf Moodle (s.u.) auf.
  • its Learning - Das itslearning LMS ermöglicht es Schulverantwortlichen, Lernen nachhaltig zu individualisieren. Es bringt Lehrplan und Materialien, Methodik und Didaktik, kompetenzbasierte Unterrichtsverläufe und Lernstandserhebungen unter ein einfach zu erreichendes Dach. Die Plattform hält zahllose Wege für Lehrkräfte bereit, schüleraktivierenden Unterricht oder Materialien zu erstellen, initiiert Kooperation an Schulen und automatisiert Standardabläufe, damit Lehrkräfte einzelne SchülerInnen besser verstehen können. ItsLearning hat letztes Jahr  den „EdTech Digest Cool Tool Award 2019“ für das beste Lernmanagementsystem gewonnen. Sie wird weltweit von über 7 Millionen Schüler*innen und Lehrkräften genutzt 
  • Moodle ist ein freies objektorientiertes Kursmanagementsystem und eine Lernplattform. Die Software bietet die Möglichkeiten zur Unterstützung kooperativer Lehr- und Lernmethoden.Es können virtuelle Klassenräume angelegt werden und den eigenen Bedarfen angepasst werden. Eine Videofunktion gibt es nicht.
  • Das Schulportal  LANiS in Hessen ist die Landeslösung für die pädagogische Organisation einer Schule.Es dient als Lernmanagementsystem und der Kommunikation zwischen Schüler/-innen, Lehrkräften und Eltern. Auch hier gibt es eine Schnittstelle zwischen dem Verwaltungs- und pädagogischem Netz.
  • Lehrkräfte entwickeln Blogs und stellen die Aufgaben für ihre Schüler auf diese Weise online z.B. https://www.wolf-klasse.de/ 
  • Lösungen über Padlet - das kleine Tool mit den unzähligen Möglichkeiten  - https://padlet.com/FrauWagner/kbrohx5qog3j oder https://padlet.com/mbaumgartner108/jv2eob12bhp9q6py
  • Schulen stellen Aufgabenformate auf der Schulhomepage ein 

 Erfahren Sie nächste Woche den zweiten Schritt für Ihre Schule auf dem Weg in die hybride digitale Schul- und Unterrichtsentwicklung.

 Teil 2 - Wir haben ein Lernmanagementsystem - und jetzt??? Wie geht es weiter?